Wenn ich jetzt selbst darüber nachdenke, wie oft wir uns über diese massenhaften KI-Inhalte ärgern, teilweise aufregen. Überall die gleichen Plakate. Alle Texte beginnen mit “Kennst du das auch?” und sprechen von “maßgeschneiderten Angeboten” und dem “nächsten Level” (sag mir gern, wenn du schon auf dem nächsten Level warst, ich würde gern wissen, wie es da aussieht). Bei den meisten Beiträgen, Posts usw. denken wir uns: Ach, da hat es sich jemand mit KI einfach gemacht. Das war unmittelbar, nachdem es hieß “ab jetzt brauchst du keine Texte mehr mit der Hand schreiben!” und sich alle gefreut haben.
Und dann liest man, dass in KI-Texten ab jetzt ein unsichtbares Wasserzeichen steckt. Plötzlich wird’s ein bisschen ungemütlich. Denn die Angebotsmail von gestern, der Text für die Insta-Caption und diesen Blogbeitrag hier: Da hat die KI ja auch mitgeschrieben. 😜 Natürlich nutze ich auch KI. Selbstverständlich anders als alle anderen (Ironie) und niemals inflationär. Darum ist es bei mir ja auch okay. 😄
Merkste was? Beides passt nicht ganz zusammen, und das ist in Ordnung. Worüber wir uns bei anderen ärgern, ist ja nicht, dass eine KI beteiligt war. Sondern die Angst, aufzufliegen, dass man selbst auch das eine oder andere mal die Arbeit der KI überlassen hat.
Das Wasserzeichen ändert aber wenig daran. Doch erstmal eins nach dem anderen. Fangen wir mit der Frage an, die uns allen wahrscheinlich am ehesten auf der Zunge liegt:
Darf ich jetzt keine Texte mehr mit KI schreiben?
Doch, darfst du. Das KI-Wasserzeichen ist kein Verbot und keine Strafe. Es ist eine technische Kennzeichnung, die der EU AI Act von den Anbietern der KI verlangt (z.B. Anthropic, Google, OpenAI usw.).
Ob du selbst unter einen Text „mit KI erstellt“ schreiben musst, ist eine eigene Frage. Der AI Act sieht einen solchen Hinweis vor allem für Texte vor, die die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informieren. Und selbst dort entfällt er, wenn ein Mensch den Text geprüft hat und die Verantwortung dafür trägt.
Eine Leistungsseite auf einer Website eines Handwerkers oder einer Fotografin ist bspw. nicht von öffentlichem Interesse und fällt somit eher nicht darunter. An der Stelle möchte ich aber eins betonen: Das hier ist keine Rechtsberatung; wenn du unsicher bist, frag jemanden, dessen Spezialgebiet das ist.
Generell ist es aber immer ratsam, transparent mit deinen Lesern umzugehen.
Hat das KI-Wasserzeichen Auswirkungen auf mein Google-Ranking?
Bisher gibt es dafür noch keinen wirklichen Hinweis. Google sagt seit 2023 öffentlich, dass Inhalte danach bewertet werden, ob sie Menschen weiterhelfen, egal ob ein Mensch oder eine KI sie geschrieben hat. Im übrigen ist das bereits seit mehreren Jahren der Tipp schlechthin: Das sog. “helpful content update” ist seit 2022 ein wichtiger Schritt in diese Richtung gewesen. Seit März 2024 ist das Helpful Content System ein fester Bestandteil der allgemeinen Kernranking-Systeme von Google. (Mehr dazu: Evergreen Media)
Wann gibt es also möglicherweise Probleme? Wenn du mit KI massenhaft Seiten erzeugst, nur um bei Google weiter oben in den Suchergebnissen zu stehen. Wenn du also versuchst, strategisch zu manipulieren.
Zum Wasserzeichen selbst hat sich Google unseres Wissens nach noch nicht geäußert. Auch SISTRIX schreibt, dass es bisher keinen Beleg dafür gibt, dass die KI-Herkunft eines Textes zum Rankingfaktor wird.
Eine Einschätzung von uns dazu: Google markiert die Texte aus seiner eigenen KI Gemini schon seit 2024 mit einem Wasserzeichen. Es ist aus unserer Sicht unlogisch, dass Google nun ausgerechnet dieses Merkmal bei anderen abstraft.
Wie funktioniert das KI-Wasserzeichen?
Ich selbst (Ramona) habe mich anfangs schwer getan, zu verstehen, wie das mit den Mustern im Text funktionieren soll. In dem Fall habe ich Claude gebeten, einen Vergleich zu finden, der es mir besser erklärt. Und hier ist er:
“Stell dir einen Koch vor, der jeden Tag hundert Teller rausschickt. An vielen Stellen hat er die Wahl zwischen zwei Dingen, die gleich gut passen: Petersilie oder Schnittlauch, Zitrone oder Essig. Kein Gast würde das eine oder das andere als falsch bemerken.
Dieser Koch hat aber einen Zettel in der Tasche. Darauf steht, wie er sich bei solchen Entscheidungen meistens entscheiden soll. Nicht immer, nur ein bisschen öfter in eine Richtung. An einem einzelnen Teller merkt das niemand. Wer aber hundert Teller vor sich hat und den Zettel kennt, sieht das Muster.”
Tatsächlich verstehe ich es weitestgehend, was technisch dahinter steckt:
Beim Schreiben hat die KI ständig die Wahl zwischen Wörtern, die beide passen könnten, zum Beispiel „Angebot“ oder „Kostenvoranschlag“. Oder die KI kann wählen, ob sie jetzt einen längeren Satz mit Nebensätzen baut, oder lieber zwei kürzere Sätze. Das Wasserzeichen schiebt diese Wahl leicht in eine Richtung. Ein einzelner Satz lässt also nichts erkennen. In einem längeren Text entsteht dann allerdings ein Muster: häufiger kurze, stakato-artige Sätze, häufiger die Wörter XYZ und so weiter. Eine Prüfsoftware ist dann mit dem passenden Schlüssel in der Lage, diese Muster zu erkennen.
Anwender und Leser sehen nichts davon. Es gibt keine versteckten Zeichen, keine Markierungen, nichts. Weil das Muster im gesamten Text steckt, kommt es beim Kopieren und Einfügen mit und übersteht auch kleinere Änderungen.
Das bedeutet also….
Kann ich das KI-Wasserzeichen entfernen?
Nein, du kannst das KI-Wasserzeichen also nicht entfernen. Es gibt keine Markierung, die du löschen kannst. Weil das Wasserzeichen aus der Wortwahl besteht. Abschalten lässt es sich in Claude auch nicht, denn es wird direkt im Modell angewendet.
Allerdings kannst du es abschwächen. Anthropic nennt selbst die Fälle, in denen kein zuverlässiges Signal mehr erkennbar ist: wenn du deine Texte stark bearbeitest, Abschnitte umformulierst oder mit anderen Texten vermixt. Auch sehr kurze Absätze schaffen es eher nicht, ein Muster erkennen zu lassen.
An der Stelle ein wichtiger Hinweis:
Wenn du Programme oder Anbieter siehst, die versprechen, ein KI-Wasserzeichen aus Text zu entfernen: Lieber Finger weg! Denn es gibt nichts zu entfernen. Wahrscheinlicher ist, dass die deinen Text einfach nur umschreiben. Dann hast du einen anderen Text. Ob es ein besserer ist, ist fraglich. Und vor allem: Das kannst du auch selbst und solltest du auch selbst tun. Denn dann hast du gleich zwei Vorteile: Kein oder ein abgeschwächtes KI-Wasserzeichen (Muster) und deine eigene Sprache!
Und so kommen wir zur Frage, die sich daran ganz geschmeidig anschließt:
Was muss ich machen, damit meine Texte nicht als KI-generiert erkannt werden?
Ehrlich gesagt: Das ist die falsche Sorge. Aus drei Gründen.
Erstens kann das Wasserzeichen im Moment kaum jemand prüfen. Das Erkennungswerkzeug von Anthropic bekommen nur bestimmte Stellen wie Behörden, Medien, Forschung und Bildungseinrichtungen. Dein Kunde, der deine Website liest, hat es nicht.
Zweitens heißt ein Treffer nicht, dass die KI den Text geschrieben hat. Er heißt nur, dass Claude den Text in der Hand hatte. Das Wasserzeichen kann auch in einem Text stecken, den du selbst geschrieben und nur korrigieren oder übersetzen lassen hast.
Drittens, und das ist der wichtigste Punkt: Menschen erkennen KI-Texte nicht am Wasserzeichen. Sie erkennen sie an Sätzen, die überall stehen könnten. Genau die, über die wir uns am Anfang geärgert haben. (Du erinnerst dich? “maßgeschneidert / das nächste Level / kennst du das auch?”)
Was aber wirklich helfen kann: Lass die KI ruhig den Entwurf oder die Gliederung machen. Und dann schreib selbst, was nur du weißt. Den Satz, den dein Kunde letzte Woche am Telefon gesagt hat. Die Frage, die du jede Woche beantwortest. Wie lange etwas bei dir wirklich dauert und wieviel es kostet. Lies den Text danach einmal laut. Wenn du ihn so zu einem Kunden sagen würdest, passt er. (Ich sitze hier auch gerade an diesem Text und formuliere ganze Absätze neu, weil ich das so nie sagen würde.)
Und jetzt noch etwas zur Beruhigung:
Ist das KI-Wasserzeichen neu?
Nur teilweise. Google markiert Texte aus Gemini schon seit 2024. Anthropic hat im August 2026 nachgezogen, und seitdem kommen alle neuen Claude-Modelle mit Wasserzeichen.
Neu ist die Pflicht. Seit dem 2. August 2026 müssen Anbieter von KI in der EU dafür sorgen, dass KI-generierte Inhalte, auch Texte, maschinenlesbar gekennzeichnet sind. Für Modelle, die vorher erschienen sind, gibt es eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. (Lies nach: Claude Support)
Betrifft das KI-Wasserzeichen auch ChatGPT?
Bei Texten hat ChatGPT aktuell noch kein Wasserzeichen. OpenAI hat zwar angekündigt, die Kennzeichnung auch auf Texte ausweiten zu wollen, aber keinen Termin genannt. Die Übergangsfrist läuft auch für OpenAI bis Ende 2026. Interessant ist übrigens, dass OpenAI schon 2024 ein funktionierendes Wasserzeichen für Texte entwickelt hat. Es wurde aber nicht eingeführt, unter anderem aus Sorge, dass Nutzer dann zur Konkurrenz wechseln. (Lies nach: homepage-helden)
Bei Bildern sieht es anders aus. Bilder aus ChatGPT sind seit Mai 2026 gekennzeichnet, mit einem unsichtbaren Wasserzeichen und zusätzlichen Herkunftsdaten in der Datei. Wenn du dir also Grafiken für Instagram in ChatGPT erstellen lässt, steckt da jetzt schon ein Hinweis drin. Instagram kann solche Herkunftsdaten auslesen und am Beitrag den Hinweis „KI-Info“ anzeigen.
Das heißt also für dich, wenn du ChatGPT nutzt: Es ändert sich aktuell noch nichts, wenn du deine Captions oder Mails mit Hilfe von ChatGPT schreibst. Unabhängig gilt aber auch hier: der Text sollte von dir kommen, nach dir klingen und wertvoll für den Leser sein.
Gilt das nur in Deutschland?
Nein. Die Pflicht kommt aus einem EU-Gesetz und gilt damit in allen EU-Ländern. Anthropic wendet das Wasserzeichen aber weltweit an, nicht nur in Europa.
Bleibt das jetzt so?
Die Kennzeichnung bleibt, denn sie steht ja nun im Gesetz. Ein bisschen was wird sich aber noch verändern: Es kommen weitere Modelle dazu, andere Anbieter ziehen nach, und Anthropic will den Zugang zum Prüfwerkzeug nach und nach erweitern. Wasserzeichen in KI-Texten werden also eher zum Normalfall als zur Ausnahme.
Fazit zum KI-Wasserzeichen: Also alles gut mit meinen KI-Texten? Ja, wenn du eins beachtest…
Du kannst also erstmal durchatmen. Es brennt nichts an und deine Texte sind nicht in Gefahr 😉 Deine Kunden sehen das Wasserzeichen nicht, und nach allem, was bisher bekannt ist, wertet Google deine Seite deswegen nicht ab.
Beobachte aber mal selbst bei dir: Wenn wir uns über KI-Texte anderer ärgern, ärgern wir uns vermutlich mehr über Texte die Inhaltslosigkeit. Und die Massen an Content, die über uns hinweggespült werden.
Daraus können wir schließen: Wenn du selbst aber ernsthaft Inhalte erstellst, dann macht das Wasserzeichen deinen Text nicht schlechter. Und du kannst selbst dafür sorgen, dass deine KI-Texte noch besser werden (das ist übrigens alles andere als neu):
- Lass die KI den Entwurf machen, aber nicht das letzte Wort haben.
- Schreib in den Text, was nur du wissen kannst.
- Verwende Formulierungen, die du auch wirklich sagst! Nichts ist menschlicher 😊
Wenn du wissen willst, wie deine Website-Texte bei Google und in KI-Antworten ankommen, schreib uns.